Ministerin Schreyer mahnt: Den Ausbau des ÖPNV trotz Corona weiter vorantreiben

Die aktuellen Rückgänge der Fahrgastzahlen bei Bussen und Bahnen dürfen nicht dazu verleiten, weniger zu tun.

„Corona hin oder her, die S-Bahnen sind zu voll.  Wenn ich weiß, dass die S-Bahn für 240.000 Fahrgäste konzipiert war, heute aber bis zu 840.000 fahren, muss ich kein Mathegenie sein, um zu wissen, dass hier Handlungsbedarf besteht“, sagt Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer im Interview mit dem Münchner Merkur (16. Oktober). „Wir haben 28 Baumaßnahmen im Bahnknoten München geplant, bei 41 weiteren soll es eine Voruntersuchung geben.“ Zu den Voruntersuchungen gehören auch die Forderungen des S-Bahn-Bündnis-Ost: Der viergleisige Ausbau der Bahnlinie München Ost bis Markt Schwaben mit einer Anbindung der Messe München.

„Zur klugen Verkehrspolitik gehört, dass wir eine zweite Stammstrecke brauchen“, erläutert Ministerin Kerstin Schreyer. Sie richtet auch den Blick in die Landkreise rund um die Landeshauptstadt. Die Ministerin aus Unterhaching weiß als Abgeordnete für den Landkreis München Süd um die Verkehrssorgen in der Metropolregion.

„Das größte Problem sehe ich aber bei den S-Bahn-Außenästen“, erläutert die Ministerin im Interview weiter: „Wir haben das zu wenig im Blick gehabt. Die Strecken müssen endlich ertüchtigt werden, um Taktverdichtungen zu ermöglichen – zumindest bis Pasing und Ostbahnhof. Der Großraum München wird weiter wachsen.“ Bis zum Jahr 2030 seien in diesem Bereich 300.000 Neubürger prognostiziert. Schreyer: „Die werden nicht alle zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommen, sondern den ÖPNV nutzen.“

Ich gehe davon aus, dass wir die Verkehrspolitik nach Corona ganz neu anschauen müssen

Wird Corona das Verkehrsverhalten der Menschen nachhaltig verändern? Prognosen sind immer schwierig. „Ich gehe davon aus, dass wir die Verkehrspolitik nach Corona ganz neu anschauen müssen.“ Corona habe die Arbeitsprozesse verändert und damit auch das Pendlerverhalten. Die Verkehrsunternehmen berichteten, dass sie montags und freitags weniger Fahrgäste zählen. Die Pendlerströme verlagerten sich: Es fahren nicht mehr alle in der Früh zur Arbeit und abends gleichzeitig nach Hause. Auch hätten manche Schulen ihre Anfangszeiten gestaffelt.

Kerstin Schreyer schaut in die Zukunft: „Meine These ist, dass das so bleiben wird.“

 

Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer

Foto: Marcus Schlaf

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